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Angorakaninchen sind seit etwa 300 Jahren aus England bekannt. 1707 wurden dort erstmals Angorakaninchen als „White shock Turky Rabbit“ erwähnt.
Die Einfuhr nach Deutschland erfolgte 1777 durch von Meyersbach aus Franken. Die von ihm eingeführten Angorakaninchen sollen Albinos gewesen sein. Von Franken aus verbreiteten sich die Kaninchen, gefördert durch den Pfarrer F. Ch. S. Mayers aus Oberneit, in ganz Deutschland bis zu den Niederlanden. Gefördert wurde durch staatliche Stellen, und vor allem in Preußen und Thüringen konnte sich die Angorazucht weiter ausbreiten. Unter Mitwirkung von Goethe in Buttstädt wurde z.B. eine Manufaktur zur Verarbeitung der Angorawolle eingerichtet.
Zur ersten Kaninchenschau 1885 in Chemnitz gehörte das Angorakaninchen bereits zu den gezeigten Rassen und war auch als Ausstellungsrasse in dem von Julius Lohr verfassten ersten Kaninchenstandard enthalten.
In den darauf folgenden Jahren wurde bei der Zucht der Angorakaninchen insbesondere auf die Haarlänge großen Wert gelegt. Bis zu 25 cm wurden im Standard verlangt, Tiere mit 40 cm Haarlänge und mehr gezeigt. Die Qualität und industrielle Verwertung der Wolle standen zu dieser Zeit nicht im Vordergrund.
Dies änderte sich mit Ausbruch des ersten Weltkriegs, als die Erzeugung von Angorawolle stark gefördert wurde.
Nach dem 1. Weltkrieg erlitt die Rasse einen Niedergang, da die Wolle nicht mehr gefragt war. Um diesen Zusammenbruch aufzuhalten gründeten Züchter die „Angora-Wollverwertungs eGmbH“ in Leipzig.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Angorazucht erneut gefördert und staatliche und private Angorafarmen eingerichtet. Fast zu jedem Fliegerhorst gehörte eine Angorazucht, da die Angorawäsche zur Fliegerausstattung gehörte, so dass allein die deutschen Heeresstellen 1941 circa 25.000 Angorakaninchen unterhielten.
Nach Ende des 2. Weltkrieges stand die Zucht der Angorakaninchen wieder vor dem Aus.
Zur Belebung der Zucht wurden 1948 das Herdbuch und die Stationsprüfung für Angorakaninchen in Kiel-Steenbeck und Halle eingeführt. Diese Bemühungen zur Leistungssteigerung der Angorakaninchen führte dazu, dass sich der durchschnittliche Wollertrag der geprüften Tiere von 330 g/Jahr für Rammler bzw. 422 g/Jahr für Häsinnen im Jahr 1935 auf 1243 g/Jahr (Rammler) bzw. 1430 g/Jahr (Häsinnen) im Jahr 1993 steigerte. Heute sind 500 – 600 g Wollleistung pro Tier und Schur keine Seltenheit mehr.
Deutsche Angorakaninchen zählen damit weltweit zu den leistungsfähigsten Tieren dieser Rasse.
Allerdings kam es durch die Entwicklung besserer Kunstfasern und Einfuhr billiger Importwolle zu einem starken Preisverfall. 1989 erzeugte China 9000 von weltweit 10.000 t Angorawolle. In Deutschland fällt nur noch der Wollertrag der Zuchttiere an, das Aufkommen wird auf unter 5 t/Jahr geschätzt. Die Zucht der Angorakaninchen ist somit heute in Deutschland reine Liebhaberei. Züchter dieser alten Kaninchenrasse sind selten geworden. Viele Prüfanstalten haben ihre Tätigkeit eingestellt.
Von der Gesellschaft zur Erhaltung alter und gefährdeter Haustierrassen wurde das Angorakaninchen 2002 auf die Rote Liste der bedrohten Haustierrassen gesetzt.
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